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Werner Klomp (50) ist Präsident des Liegeradklubs Vorarlberg und Vizeweltmeister mit dem Velomobil. Der in Götzis lebende Holländer wird mit seinem Human Powered Vehicle am Radmarathon teilnehmen.

Von Sebastian Rauch

Wieso sitzen, wenn man auch liegen kann? Was wie das Ergebnis eines Strategieentwicklungsprozesses eines Couchpotatos klingt, sind die Worte eines Sportlers. Und zwar jene von Werner Klomp. Der gebürtige Holländer war begeisterter Rennradfahrer, und als solcher nahm er auch an Straßenrennen teil. Durchaus ambitioniert und ehrgeizig trat er in die Pedale, bevor eine Begegnung mit einem Bekannten und dessen fahrbarem Untersatz sein Leben für immer veränderte.

„Ich kannte zwar Liegefahrräder, weil sie mich im Straßenverkehr oftmals überholt haben und ich mich dann gefragt hatte, wie die so schnell sein konnten. Aber gefahren bin ich es bis dahin nie“, erklärt der 50-Jährige. Doch nach seiner ersten kleinen Ausfahrt, war er sofort begeistert.

„Ich habe daraufhin sofort mein Rennrad verkauft, denn wenn man so angenehm liegen kann, ohne nach langen Ausfahrten Schmerzen in den Schultern, Armen oder am Gesäß zu haben, dann will man nicht mehr länger Rennrad fahren“, erinnert sich Klomp an seine ersten „Gehversuche“ mit dem Liegerad.

Die Community der Liegeradfahrer in Vorarlberg ist nicht besonders groß, doch der Holländer fand schnell Anschluss zu Gleichgesinnten. Mittlerweile ist er sogar Obmann des Vorarlberger Liegeradklubs, den es seit über 20 Jahren gibt. Doch im Liegen Fahrrad zu fahren, war dem in Götzis lebenden Küchenplaner noch nicht genug. Eines Tages kam er in Kontakt mit einem Velomobil. Ein mit Kunststoff vollverschaltes Liegerad, welches durch seine aerodynamische Form eine hohe Geschwindigkeit entwickeln kann.

Bis zu 70 Stundenkilometer erreicht Klomp mit seinem Velomobil auf flachen Strecken und gehört mittlerweile zu den besten Fahrern der Welt. Bei den Weltmeisterschaften in England vor einigen Wochen sicherte sich der Wahl-Vorarlberger die Silbermedaille. Fünf Rennen werden bei den von Europäern dominierten Titelkämpfen gefahren, die Gesamtwertung aus allen Rennen entscheidet dann über den Weltmeister. Gefahren wird ein 100-Meter-Sprint, ein Sprint über 3,1 Kilometer sowie Rennen über die Zeit von 50 Minuten, einer Stunde und drei Stunden. Bis zu 150 Teilnehmer stehen am Start, und Klomp musste sich nur dem Deutschen Daniel Fenn geschlagen geben.

Teilnahme am Radmarathon. Der Deutsche gilt als absolute Koryphäe auf dem Gebiet der Human Powered Vehicles (HPV) und ist nicht nur der beste Fahrer der Welt, sondern auch ein exzellenter Konstrukteur. Im Normalfall wiegen Velomobile ungefähr 25 Kilogramm, Fenn hat es geschafft, das Gewicht zu drosseln. Das aktuelle Fahrzeug von Klomp ist ebenfalls von Fenn konstruiert und wiegt nur 15,7 Kilogramm. Damit ist es natürlich auch leichter, Rennen zu fahren.

Ein solches wollen Klomp und Fenn auch heute bestreiten. Die beiden starten gemeinsam mit zwei weiteren Fahrern mit ihren Velomobilen bei der „Rund um Vorarlberg“, eine Rundfahrt, die im Rahmen des Highlander-Radmarathons ausgetragen wird. Ein ambitioniertes Vorhaben, sind doch vor allem die Aufwärtspassagen mit dem Liegerad eine große Herausforderung. Immerhin müssen zusätzlich 15,7 Kilogramm den Berg hinaufgeschleppt werden. Und auf die Teilnehmer warten nicht weniger als 146 Kilometer und über 2400 Höhenmeter. Das Gewicht des fahrbaren Untersatzes ist auch der Grund, warum Klomp nicht den kompletten Highlander fährt. „Die letzten 2000 Höhenmeter schenke ich mir“, sagt der 50-Jährige und lacht. Er möchte die Strecke in fünf Stunden absolvieren und damit ungefähr so schnell sein, wie die schnellste Frau auf einem normalen Fahrrad. Was er bergauf verliert, kann er abwärts wieder reinholen. „Bei einer geraden Strecke kann ich bergab bis zu 120 Stundenkilometer schnell werden. Allerdings bremse ich meist bei 100 schon runter, denn das Risiko ist mir dann doch zu groß.“

Die Fahrsicherheit ist auch ein großes Thema, wenn es darum geht, andere Sportler mit der Faszination Velomobil anzustecken. „Viele Menschen sind der Meinung, es wäre gefährlich, weil man uns im Straßenverkehr übersehen könnte. Aber ich bin der Meinung, dass man im Straßenverkehr ohnehin immer aufmerksam sein muss, und dann übersieht man doch kein Velomobil“, hat der Vizeweltmeister für diese Argumentation kein Verständnis.

Kein Fähnchen. Immer wieder würde ihm vorgeschlagen werden, er solle doch ein Fähnchen an sein Fahrzeug montieren, doch dieser Idee widerspricht Klomp. „Dann glaubt jeder, da kommt eine Mutter mit einem Kinderanhänger. Ich fahre aber bis zu 70 Stundenkilometer, und durch ein Fähnchen könnte es zu großen Fehleinschätzungen meiner Geschwindigkeit kommen. Das wäre dann gefährlich.“

Er selbst besitzt gar kein Auto, legt jede Strecke, ob Winter, ob Sommer, ob Regen, ob Sonne, mit dem Velomobil zurück. Bis zu 25.000 Kilometer fährt er im Straßenverkehr jährlich. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen macht er zusätzlich noch einmal im Monat Ausflüge.

Der Holländer glaubt, dass die Entwicklung und Verbreitung der Liegeräder weiter voranschreitet. Mittlerweile hat sich auch die Lieferzeit für Velomobile drastisch verkürzt. Wartete man vor einigen Jahren noch bis zu zwei Jahre auf ein neues Gefährt, so können sie mittlerweile in drei Monaten ausgeliefert werden. Einen offiziellen Verband gibt es in Österreich im Gegensatz zu Frankreich, Deutschland, der Schweiz oder Klomps Heimat Holland nicht. Doch das ist nur noch eine Frage der Zeit. „Vielleicht gründe ich ja selbst einen“, gibt sich der Holländer ambitioniert und hofft, dass in Zukunft mehr Menschen seinem Beispiel folgen und lieber liegen anstatt zu sitzen